Dienstag, 30. April 2013

Radiobeitrag "Zwölf Stunden Klavier-Marathon"

Zunächst: Ich habe alles gut überstanden. 12 Stunden Klavier spielen sind zwar antrengend, bringen mich aber nicht um. Bevor ich aber in den kommenden Tagen eine ausführliche Auswertung des Impro Marathons mache, hier schon einmal der Radiobetrag von Friedemann Brenneis für Deutschlandfunk. Der Beitrag lief am Montag, den 29.04. in der Sendung Corso ab 15 Uhr. Hier geht's zum Skript.

Dies ist der Audio-Beitrag:

Samstag, 27. April 2013

Das Experiment beginnt

Quelle: tumblr.com
In ca. zwei Stunden geht es los das Experiment 12 Stunden improvisieren. Begleitet werde ich dabei von Friedemann Brenneis, der einen Beitrag für den Deutschlandfunk darüber machen wird. Wie geht's mir jetzt? Ich habe alles gepackt, sogar Schmerztabletten und Energydrinks eingepackt und bin etwas nervös. Die Nervösität schiebe ich darauf, dass ich endlich los legen will. Ich bin gespannt, ob Publikum kommt und wie ich damit umgehen kann, dass es immer raus und rein kommt in die Galerie. Ich werde auch deswegen mit dem Rücken zum Publikum spielen. Erstens ist das entspannter wegen des Rein und Raus' und zweitens komme ich mir dann nicht vor wie "Der stärkste Mann der Welt wird Ihnen auf diesem Jahrmarkt präsentiert". Ich werde auf zwei Bilder vor mir gucken. Oder viel wahrscheinlicher: Ich habe die Augen meist geschlossen, so wie fast immer beim Improvisieren. Mein Rücken meldet sich jetzt schon. Daher die weichere Klavierbank eingepackt und die Tabletten. Man weiß ja nie. Und abbrechen möchte ich auf keinen Fall. Was habe ich mir vorgenommen? Nicht abzubrechen oder gar nicht zu spielen, wenn gerade keiner im Raum ist. Als Kontrolle und etwas Druck dient das Aufnahmegerät, das alles mitschneidet und der Herr vom Deutschlandfunk. Es könnte sonst vielleicht doch passieren, dass man länger nicht spielt. Pausen werden sich sowieso nicht vermeiden lassen auf Grund menschlicher Bedürfnisse. Und es soll ja auch kein Weltrekordversuch werden, sondern ein persönliches Experiment. Also: Wie wird sich die Musik über 12 Stunden verändern? Meine Prognose: Die Klangereignisse werden abnehmen. Ein anderes Zeitgefühl stellt sich ein. Die körperliche Belastung wird einen Einfluss haben. Es wird Phasen geben, die man unterscheiden kann. Und das sind nicht nur Anfang und Ende. Auf und ab wird es gehen. Los geht's!

Ich werde live vom Marathon aus twittern unter twitter.com/pianistberlin

Mittwoch, 17. April 2013

12 Stunden am Stück - 1. Berliner Impro-Marathon

Am 27. April findet der 1. Berliner Impro-Marathon in der Brotfabrik statt. Und es wird ein echter Marathon. Er beginnt um 15 Uhr und endet am 28. April morgens um 3 Uhr. Und es wäre nur ein Staffellauf, wenn nicht wirklich 12 Stunden am Stück improvisiert würde. Das ganze Haus wird in diesen Stunden bespielt mit spontaner Kunst. Im Kino laufen improvisierte Filme, es wird eine Speakers Corner geben, 11 Improtheatergruppen (darunter auch das Improtheater Paternoster) spielen non-stop auf der Haupt- und Studiobühne, Zeichner werden das Ganze festhalten und ihre Werke werden innerhalb der Zeit einen White Cube füllen. Was habe ich damit zu tun? Ich wage das Experiment solo die ganzen 12 Stunden am Stück in der Galerie am Klavier zu improvisieren. Es wird ein Versuch und eine Beobachtung meiner selbst, wie sich die Musik über die Stunden verändert. So lange am Stück habe ich noch nie Klavier gespielt und improvisiert. Werde ich mich irgendwann im Kreis drehen? Muss ich aufgeben, weil mein Rücken nicht mehr mitmacht? Langweile ich mich irgendwann? Damit ich nicht schummeln kann, werde ich den kompletten Marathon mitschneiden. Anschließend werde ich die Aufnahmen im Internet veröffentlichen nach Stunden geordnet, sodass man im Nachhinein an verschiedenen Stellen vergleichen kann. Wird es einen Unterschied zwischen 16 Uhr und nachts um 1 Uhr geben? Ich bin sehr gespannt. Für mich ist es bisher das künstlerisch spannenste Projekt, dass ich in 2013 machen werde! Ob ich es überlebe, könnt ihr live miterleben.

1. Berliner Impro Marathon

12 Stunden non-stop Improvisation
12 Stunden Hear and Now in der Galerie


Brotfabrik Berlin
Caligariplatz 1
13086 Berlin

27. April 15 Uhr bis 28. April 3 Uhr
Eintritt 15/10 € mit möglichen Ein- und Ausgang über den gesamten Zeitraum

Kartenkasse (ab 18 Uhr): 030. 4714001 oder per E-Mail an karten@brotfabrik-berlin.de

berliner-impro-marathon.de
brotfabrik-berlin.de
hear-and-now.com



Größere Kartenansicht

Mit dem ÖPNV zum Marathon:

VBB fahrinfo
Caligariplatz (Berlin)
am
um
ab
an


Sonntag, 14. April 2013

Hear and Now - So war's in der "Black Hole"

Die Inspiration für die letzte Hear and Now Concert Improv kam über unsere Facebook-Seite und lautete "Black Hole". Eigentlich "Schwarzes Loch" habe ich es etwas freier übersetzt in eher eine "dunkle Höhle" genommen. Davor hatten wir "Ethnic Space" und das war mir dann zu ähnlich hinsichtlich dem Weltraumbezug.

Max Geng, Phil Ziegler, Stephan Ziron (v.l.)
Foto: Sé Strobach
Eine schwarze Höhle hatte für mich vor allem Wasser. Tropfen, Strömpfe, reflektierendes und dumpfes Rauschen. Entsprechend habe ich den Sampler beladen. Das iPad diente dieses Mal eher den Effekten (mit der App Live DJ Effects) und wurde sparsamer eingesetzt. Ich empfand es diesmal weniger als Überforderung oder Nötigung unbediengt viel damit zu machen. Im Grunde geht es bei allen technischen Geräten, die in der Improvsation zum Einsatz kommen nicht darum, sie unbedingt benutzen zu müssen. Es muss sich aus der Impro heraus ergeben. sonst wäre es nur Effekthascherei. Das will ich vermeiden. Ich habe dieses Mal gleich mein E-Piano genutzt, was den Soundcheck erleichterte. Das akustische Klavier war noch nicht gestimmt. Außerdem nutzte ich meine Roland GW-8 Workstation als Synthesizer und weiteres Instrument. Das ging im Einklang mit dem Klavier erstaunlich gut, obwohl auch hier die Versuchung naheliegt, zuviel machen zu wollen, einfach weil es da ist. Ich empfand das Konzert als viel runder, durch das Bewusstsein, die vorhanden Dingen gezielt einzusetzen, wenn es sich ergibt. Auch, dass wir das zweite Mal in der gleichen Besetzung gespielt haben und vorher mehr Ruhe mit dem Soundcheck hatten, half, um in einen gemeinsamen Flow zu kommen.

Das Ergebnis könnt Ihr hier nachhören. Wir haben dieses Mal eine Pause gemacht. Die Teile sind getrennt von einander aufgenommen. Außerdem war dies ein guter Anlass einen Premium Unlimited Account bei soundcloud abzuschließen. Somit sind die Veröffentlichungen und das leichte Teilen der Aufnahmen in Zukunft gesichert, weil der Speicherplatz und die Zeit nicht begrenzt werden.





Montag, 8. April 2013

Ich-Du oder Ich-Es

"Ich liebe Dich" Geste
Quelle: wikimedia.org
Wenn es gut werden soll, sollte Liebe im Spiel sein. So könnte man es zusammen fassen. Denn unsere Beziehungen zu anderen Menschen könnte man in Ich-Du- und Ich-Es-Beziehungen einteilen. Eine Ich-Du-Beziehung bedeutet, dass ich mein Gegenüber als Mensch wahrnehme mit Empathie. Ich-Es-Beziehungen sind eher objektorientierte Verbindungen und die gibt es sogar unter Menschen. Behandle ich einen Menschen als Objekt, wird er sich unwohl fühlen. Anders herum, merken wir sehr schnell, wenn wir Mittel zum Zweck werden. Wenn wir ein Objekt werden, dass jemanden anderes nützt, derjenige aber nicht an unseren Gefühlen oder Empathie interessiert ist.

Basiert eine Verbindung auf der Bühne auf Empathie und einer Ich-Du-Beziehung, kann Großes entstehen. Man vertraut blind, weil man weiß, was der Partner machen, sagen, spielen, singen, .... will. Eine große Empathie ermöglicht einen gemeinsamen Weg, der sich gemeinsam anfühlt. Eine Ich-Es-Beziehung kann als Mittel zum Zweck zwar professionell eingegangen werden, aber glücklich wird man nicht durch die Beziehung an sich, sondern durch Ersatzbefriedigungen. Wenn sich Menschen auf der Bühne auf solche Beziehungen einlassen, muss es eine andere Motivation geben, als die Freude am gemeinsamen Tun. Eine Ich-Du-Beziehung wird umgangen und zur Es-Beziehungen, wenn es um den schnellen Lacher, den eigenen und nur den eigenen Applaus geht, die eigene Karriere, die eigene Gage, also egoistischen Zielen. Auch wenn in manchen Situationen eine Ich-Es-Beziehung schützen kann, ist es für Dinge, die ich leidenschaftlich auf der Bühne tue, ein Hindernis.

Fragen wir uns also, welche Beziehungen gehe ich auf der Bühne tatsächlich ein? Führe ich Ich-Du-Beziehungen oder Ich-Es-Beziehungen?




Mittwoch, 3. April 2013

Black Hole

In einer Woche ist es schon wieder soweit. Die Eindrücke der letzten Konzert Impro sind gerade erst verdaut, da steht schon die nächste an. Ich werde dieses Mal wieder mit Max Geng (Drums & Percussion) spielen und habe mich dazu entschlossen auch Phil Ziegler mit seinen Didgeridoos einzuladen. Ein Mal ist kein Mal. Unsere Inspiration für den Abend hatte ich auf Facebook und Twitter erfragt. Daher begeben wir uns also kommenden Mittwoch in die "Black Hole". Ich werde dazu Samples vorbereiten. Wie ich das iPad einsetzen werde, ist noch offen. Fest steht, ich verwende mein E-Piano als Basis und Hauptinstrument, nachdem uns der Soundcheck ja letztes Mal mit dem akustischen Piano halb wahnsinnig gemacht hatte und ich letztlich doch auf mein elektronisches Klavier zurück gegriffen hatte. Außerdem werde ich mein Keyboard mitbringen und schauen, was damit ergänzend möglich ist.

Hear and Now
concert improv

Stephan Ziron
piano, keyboards, sampler, ipad

Max Geng
drums & percussion

Phil Ziegler
didgeridoos

Sé Strobach
licht & ton

Beginn 20 Uhr
Eintritt 10/7 Euro

Karten unter karten@brotfabrik-berlin.de oder an der Abendkasse.



Brotfabrik Berlin
Caligariplatz 1
13086 Berlin



Größere Kartenansicht


hear-and-now.com | brotfabrik-berlin.de

Samstag, 30. März 2013

Zimmer dir 'nen Soundtrack - Filmmusik für Dummies

Seit Jahren ist ein Trend in Hollywood, vor allem bei epischen Filmen, wie Herr der Ringe, Batman, Gladiator, Fluch der Karibik, Inception oder Snow White and the Huntsman zu beobachten. Komponisten sind Hans Zimmer, James Horner, James Newton Howard und viele andere, die eines verbindet: Ihre Liebe zum großen Orchester und dem Leitmotiv. Jenes Stück Musik, dass uns den ganzen Film über begleitet. Mal dramatisch und groß, mal zart und im Hintergrund. Musiker, wie Richard Wagner oder Hector Berlioz sind schon vor einigen Jahrzehnten dafür bekannt gewesen, diese Technik in ihren Werken zu nutzen. Dabei ist es eigentlich ganz einfach: Man nehme eine kleine Melodie und lasse sie immer wieder auftauchen und eben "leiten". Wer kennt nicht die Melodie von "Herr der Ringe" oder "Starwars"? Diese Technik wird nach wie vor in Filmen genutzt. Und mehr noch: Das Motiv wird mit einem großen Orchester quasi aufgepumpt. Viele Streicher, Bläser kombiniert mit Schlagwerk und Chören sind in Mittelalter-Filmen, wie in Phantasy-Streifen zu hören. Ausschlaggebend für den Artikel ist dieses Video mit Hans Zimmer auf youtube. Er spricht darin über sein Verständnis von Harmonik. Seine Grundthese ist: Lass alles in der Schwebe, sei nicht eindeutig in den Akkorden und mache bewusst Fehler, die in der klassischen Harmonielehre verpönt sind. Am Ende des Artikels soll das durch das Austauschen von Akkorden verdeutlicht werden.


Ich möchte versuchen die Analyse so zu machen, dass man sie als Laie und als Musiker versteht. Das wird sicher ein paar Begriffsschwierigkeiten mit sich bringen. Letztlich kommt es aber darauf an, es zu hören.

Wie baut man sich seinen Soundtrack? -
Über Tonleitern und Akkorde

Ich habe für diesen Artikel mal einen kleinen drei Minuten Beispiel Track produziert und seziert. Damit könnt Ihr auch als Nichtmusiker versuchen nachzuvollziehen, was eigentlich passiert in solchen Filmscores. Man verzeihe mir, dass ich beim Mixing und Mastering nicht ganz so genau gearbeitet habe. Hier könnt Ihr euch den ganzen Track einmal in voller Länge anhören:



Hier ist auch ein Screenshot des Arrangements, wie ich es im Aufnahmeprogramm angelegt habe. Ohne Noten lesen zu können, kann man hieran gut sehen, wann was im Stück einsetzt und wann zusammen spielt. Das ist quasi die Partitur, der Fahrplan, den der Dirigent oder die Musiker sonst so vor sich haben.

Arrangement in Cubase
Tonleiter, Stufen, Melodie

Grundlegend ist in der Musik die Harmonielehre. Es würde zu weit führen hier eine umfassende Einführung zu geben. Die ist auch nicht nötig. Man muss nur verstehen, was eine Tonleiter und ein Akkord ist.

Eine Tonleiter besteht, wie eine Leiter auch, aus Einzeltönen - man könnte auch Sprossen oder Stufen sagen. Nach einem bestimmten Bauplan entstehen die Tonarten. Aus einer Tonleiter - z.B. C-Dur - ergeben sich die Töne
c d e f g a h c

Damit kann man Melodien bzw. können wir unser Leitmotiv basteln.

Ich habe für mein Beispiel die Tonart g-moll gewählt. Es gibt quasi zwei Motive bzw. Themen. Ich habe beide einmal mit Klavier gespielt und sie Thema 1 und 2 genannt, damit man es pur raushören kann.

Thema 1


Thema 2


Die Themen werden im kompletten Stück vom Chor und von Streichern gespielt. Sie spielen ein und die selbe Melodie.

Die Begleitung - Akkorde

Schichtet man mindestens drei Töne übereinander, erhält man einen Akkord bzw. Harmonie.  Die Tongeschlechter Dur und Moll entstehen aus den unterschiedlichen Abständen der Töne innerhalb eines Akkords. Im Volksmund sagt man Dur klinge eher fröhlich positiv und moll eher traurig und dunkel. Bleiben wir mal bei der Unterscheidung, auch wenn ich kein Freund davon bin. Durch die Schichtung von Tönen über den einzelnen Tönen der Tonleiter entstehen Akkorde, die verwandt miteinander sind und bestimmte Funktionen im Stück erfüllen. Nach den Regeln der Harmonielehre bastelt man dann eine Kombination von Akkorden zusammen und erhält somit die Grundlage für unser Leitmotiv. Hierzu kann man sich die Tonleiter nehmen und nach der sogenannten Stufentheorie Akkorde kombinieren.

Ich habe für mein Beispiel folgende Akkordverbindungen gewählt:

Thema 1 - Gm Bb Eb F | Gm Eb F F
Thema 2 - Cm Ab Eb G | Cm Ab Eb G/H D/A

Die Akkorde - Das Orchester

Bei meinen Aufnahmen habe ich unter anderem mit virtuellen Instrumenten von Cinesamples gearbeitet. Diese Firma hat sich auf Software-Instrumente für den Film- und Fernsehbereich spezialisiert. Die Orchesterklänge stammen vom CineOrchestra 2.0 Instrument. Die Streichermelodie sind die Session Strings Pro von Native Instruments, der Chor stammt aus der Library von Kontakt 5.

Das Instrument wurde in drei Sektionen eingeteilt. Das wird in diesem Demovideo erläutert. Akkorde sind komplett gesampelt, so das eine Taste schon bereits die fehlenden Töne mitklingen lässt und die Harmonien schon fertig sind. Man kann also noch mehr in Stufen denken.



Low Chords

Ich bin beginne mein Beispiel mit den Low Chords. Also tiefe, dunkle Akkorde. Man hört zunächst die Begleitung für Thema 1, dann für Thema 2.


Tiefe, lange Töne und Flächen erzeugen Spannung im Film. Oft ist es sogar nur ein sehr tiefer Ton, der liegen bleibt.

Diese Akkorde werden bis zum Ende immer wiederholt. Nur die Lautstärke (Dynamik) ändert sich. Es folgen auf den Low Chords die beiden Themen gesungen vom Chor und später unterstützt von den Streichern.

Tutti Chords

Um dem ganzen noch mehr Steigerung zu verleihen, kommen im Laufe des Stücks immer mehr Instrumente hinzu. So hört man ab 1:26 zusätzliche Streicher und Bläser in den Akkorden, die sogannten Tutti Chords (itl. "tutti" = alle). Das gesamte Orchester spielt also die Akkorde zusammen. Gemeinsam mit den Low Chords klingt die Steigerung also so:

Dadurch, dass nun auch höhere Lagen gespielt werden, klingt es insgesamt heller und lauter.

Tutti Octaves

Ab 1:55 min werden vom Orchester auch die Töne gedoppelt und in Oktaven gespielt, die schon grundlegend für die Low Chords und Tutti Chords sind. Damit wirkt das Ganze nun noch fetter, vor allem, weil das Blech nun sehr deutlich laut zu hören ist. Das sind vor allem Trompeten und Posaunen. Die Tutti Octaves klingen so:



Schlagwerk

Was noch fehlt zum perfekten Soundtrack ist das Schlagwerk Wer erinnert sich nicht an Trommelgewitter beim letzten Kriegsepos oder den Angriff der Römer auf eine Stadt? Cinesamples hat dafür eigens ein Instrument entwickelt namens Drums of War. Der Titel sagt eigentlich schon alles. Das Instrument ist eine Sammlung von verschiedenen Trommeln und Percussioninstrumenten. Sehr beliebt bei Filmmusikern sind die großen japanischen Taikotrommeln oder SubDrums. Beide habe ich verwendet im Beispiel. Die Sub Drum beginnt mit einem tiefen Basston. Die Taikos sind die lauter werdenden Trommelwirbel, die mit einem Beckenschlag beendet werden.




Nur immer das selbe oder doch was anderes?

Hans Zimmer spricht in dem anfangs erwähnten Video davon, den Sound möglichst nicht eindeutig zu machen und lange in der Schwebe zu lassen. Auch die Wahl eines der Theorie nach falschen Akkords in einer Folge, ist mittlerweile typisch Hollywood. Die Low Chords tauchen in Filmen oft immer wieder leise im Hintergrund von Szenen auf. Aber nicht unbedingt die selben, wie im präsenten großen Leitmotiv. Oft sind sie leicht verändert. Das geschieht ganz einfach, indem der Akkord umgeschichtet wird. Ein Beispiel:

Der Ausgangsakkord (hier Gm)  ist aufgebaut aus

D
Bb
G

Man tauscht nun einfach die Töne und stellt sie um, erhält man folgende Möglichkeiten:

G  | Bb
D  | G
Bb  | D

Es ist zwar immer noch der Gm-Akkord, doch ist nun im Bass nicht der Grundton G, sondern das B. Man könnte ihn nun als Gm/B oder als Bb6 bezeichnen. Der Akkord klingt nun ein klein wenig anders, das Motiv passt aber immer noch darüber.

Ich habe ein Beispiel gemacht, in dem ich die oben bereits gehörten Low Chords alle durch solche Ersetzungen ausgetauscht habe. Es ist die selbe Folge und widerum doch nicht. Hört selbst:



Nun noch einmal mit den Themen darüber. Etwas andere Begleitung, funktioniert aber trotzdem.



Zum Vergleich nochmal die erste Version der Low Chords mit dem Thema darüber:


Man hört, dass kleine Veränderung erstmal neu wirken, aber dadurch, dass nur eine Kleinigkeit verändert wurde, schwebt der Klang. Er ist offen und anders und dennoch passt das Leitmotiv darüber und kann so immer wieder im Film auftauchen. Immer in etwas anderer Form, aber es wird sich einbrennen.

Fazit

Ich kann nicht behaupten, mich mit Hollywood-Musikern vergleichen zu können, aber die Zutaten für einen Epos-Soundtrack sind denkbar einfach. Im Grunde geht es um den fetten Orchesterklang mit viel Blech und viel Fundament. Dazu epische Chöre, die das ganze so sakral werden lassen. Je nach Genre kommen noch regionale Instrumente dazu, wie Dudelsack oder Flöten. Der Chor kann auch durch einen sehr hohen klaren Sopran einer Sängerin oder durch die tiefen Kirchenchöre ersetzt werden. Eine Orgel könnte eine Rolle spielen. Es geht um den Teppich und um ein Leitmotiv. Wie einfach das sein kann, hab ich versucht zu zeigen. Letztlich wäre das aber nicht möglich gewesen, ohne die virtuellen Instrumente, die quasi all diese Theorie schon beinhalten und in Software herunter gebrochen haben. Allein die Aufteilung der Tastatur innerhalb des Software Instruments sagt schon alles über die Machart dieser Art von Filmmusik. Ich möchte aber betonen, dass ich für diesen Artikel nicht von den genannten Firmen gekauft wurde. Ich möchte Euch nur zeigen, womit ich arbeite. Das frage ich mich bei vielen Stücke selbst oft. Daher sollte es nur ein Hinweis sein.

Wenn Ihr Fragen habt, schreibt mir gern einen Kommentar. Ich habe im Artikel nicht alles im Detail oder verständlich für alle erklären können. Um so spannender kann eine Diskussion im Nachhinein sein. Ich freue mich auf Eure Gedanken dazu. Und wenn Ihr das nächste Mal einen Film schaut, hört doch mal, ob Ihr ein Leitmotiv erkennt. ;)

Und hier nochmal das Ausgangsstück, damit Ihr nicht hoch scrollen müsst...




Dienstag, 26. März 2013

Hear and Now Live Mitschnitte

Es ist vollbracht: Ein kleines Video vom Hear and Now Konzert vom 24.03. und eine Stunde Audio-Mitschnitt sind online! Ich habe mich doch dazu entschieden nur von einer Kamera das Bild- und Tonmaterial zu schneiden. Das mit drei Kameras war mir dann doch zu kompliziert. Cutter ist eben nicht umsonst ein eigener Beruf.

Einen ca. sechs minütigen Zusammenschnitt als Video gibt es hier zu sehen:


Einen etwa einstündigen Audiomitschnitt hört Ihr hier:



Das nächste Hear and Now gibt es am 10. April um 20 Uhr. Weitere Infos hier.

Wie war's im Ethnic Space?

v.l. Max Geng, Phil Ziegler, Stephan Ziron
Foto: vegan-design.com
Direkt nach Hear and Now Konzerten schätze ich mich und das, was ich improvisiert habe, als nicht so zufriedenstellend ein. Im Zweifel für den Zweifel. Das treibt mich an. Selbstzufriedenheit ist der Tod für jeglichen Fortschritt. Womit war ich im ersten Moment unzufrieden? Dadurch, dass ich mich nach zwei stündigen Soundcheck, der nicht zum gewünschten Klangergebnis führte, gegen eine Mikrofonabnahme mit Røde M3's des verstimmten Klaviers entschied, fuhr ich eine halbe Stunde vor Beginn noch schnell nach Hause und holte mein Yamaha P120 E-Piano. Die Mikros sind für Klavierabnahme schlichtweg nicht geeignet und wenn das Piano auch noch derart verstimmt ist... Leider versetzte meine späte Entscheidung und dass das Hi-Hat des Drummers Max kaputt war, uns alle in Stress. Dieser Stress war mit ausschlaggebend dafür, dass wir uns direkt vor dem Auftritt nicht wirklich fokussieren konnten auf das, was kommt. Ein verstolperter Anfang. Während des Konzerts hatte ich nicht wirklich das Gefühl des Kontakts untereinander. Der Einsatz von iPad und Sampler lies mich zusätzlich unsicher zweifeln. Das war mein Gefühl auch nach dem Auftritt.

Als ich nach Gesprächen mit dem Publikum und später die Aufnahmen Revue passieren lies, sah die Sache schon anders aus. Innensicht, eigener Anspruch und das letztliche Endresultat klafften auseinander. Es war gar nicht so schlecht, wie mein Gefühl, das ich hatte. Die Aufnahmen sind gut geworden und das Ergebnis, die Impro, die wir ablieferten, konnte sich hören lassen. Einzig die Performance an sich nach außen, ist verbesserungswürdig gewesen. Das hat mich sehr beruhigt. Der Einsatz von Didgeridoo war gewagt, aber hat letzten Endes gut funktioniert. Nun schlage ich mich nur noch mit dem Zusammenschnitt der Videos rum. Aber das wird schon.

Der Abend stand unter dem Motto "Ethnic Space". Es entstand kurz vor dem Konzert aus Didgeridoo und Space-Samples, die zum Einsatz kamen. Es inspirierte solch eine Inspiration vorher wirken zu lassen. Daher würde ich mich über Eure Vorschläge, Inspirationen, Worte, Titel für das Konzert am 10.4. in der Brotfabrik freuen. Kommentiert gern hier oder auf unserer Facebook-Fanpage.

Montag, 18. März 2013

Concert Improv - Keine Jamsession

Es ist endlich soweit. Am kommenden Sonntag gibt es wieder Hear and Now live on stage. Neben Max am Schlagzeug wird Phil am Didgeridoo seinen improvisatorischen Beitrag dazu leisten. Mit Max spiele ich ja nun mittlerweile schon ein paar Jahre. Wir sind sehr gut auf einander eingestimmt. Die Erfahrung in der gemeinsamen Improvisation bringt das mit sich. Um so mehr bin ich gespannt, wie die Konzert Impro mit dem Didgeridoo funktionieren wird. Es ist spannend gar nicht vorher soviel rumgeprobt zu haben, sondern das Experiment vor Publikumsaugen und -ohren geschehen zu lassen. Immerhin bewegt sich ein Didgeridoo auf einem Ton im tiefen Bassbereich. Ich bin sehr gespannt, was das mit unserer Gruppenimpro machen wird. Außerdem werde ich mit dem iPad mein Klavier samplen und als Effektprozessor für den Pianosound einsetzen. Dabei werde ich mit den Apps Samplr und LiveFX spielen. Außerdem bestücke ich meinen Sampler mit atmosphärischen Sounds, die ins Sci-Fi gehen. Eine der letzten Vorstellungen von Hear and Now Dimensions, das noch mit Theaterspiel kombiniert war, hatte Beeinflussung durch Horror- und Darksamples erfahren. Den Gegensatz des tiefen erdenden Tons des Didgeridoos möchte ich kontrastieren mit der Klangvorstellung des Weltalls. Daher der Science-Fiction-Ansatz. Natürlich wird das alles um das August Förster Piano gebaut, das sich sehr gut spielt und wieder mal der Beweis dafür ist, dass ein gut verarbeitetes älteres Klavier mehr wert sein kann, als ein billiger neuer Flügel. Wo es in dieser Konstellation musikalisch hingeht, wissen wir, wie immer, noch nicht.

Hear and Now - Concert Improv

24. März
20 Uhr

mit Stephan Ziron (Piano, iPad, Sampler)
Max Geng (Drums)
Sé Strobach (Licht & Ton)
als Gast: Phil Ziegler (Didgeridoos)

Brotfabrik Berlin
Caligariplatz 1
13086 Berlin Weißensee

Eintritt 10/7 Euro

Karten unter karten@brotfabrik-berlin.de
oder an der Abendkasse.



Es kam in den letzten Tagen die Frage auf, ob es denn nicht einfach eine Jamsession sei, die wir da veranstalten. Das muss ich entschieden zurückweisen. Auch wenn es auf den ersten Blick so scheinen mag, als würden wir "einfach nur ein bisschen jammen", ist der Ansatz ein anderer. Konzert Impro bedeutet, dass die innere Haltung eine andere ist. Bei einer Jamsession spielt man für sich und die Kollegen, hauptsächlich aus Spaß oder zu Übungszwecken. Sicherlich kann ein Publikum dabei auch genug mitnehmen für sich. Aber bei der Konzert Impro steht der Gedanke des Konzertieren im Vordergrund. Alles, was man auf der Bühne tut, ist einem Publikum bewusst gewidmet. Der Eigenanteil ist bei der Kunst eh immer groß genug. Aber es ist für mich ein Unterschied, zu wissen, dass ich für ein Publikum improvisiere oder für mich allein oder in einer Gruppe aus reinem Vergnügen. Der experimentelle Charakter und das sich auf die Suche begeben, auf einen ungewissen Weg, ist das spannende an der Konzert Impro, die zwar locker wirken kann, aber einen anderen Gedanken verfolgt. Wenn ich weiß, dass ich ein Stück darbiete, bewerte ich alles ganz anders. Ich würde nie auf die Idee kommen, einen Gedanken abzubrechen auf der Bühen vor Publikum, sondern ihn so zu vollenden, dass es eines Publikums angemessen ist. Daher stehe ich auch nicht mit unzählig vielen Leuten auf der Bühne, wie vielleicht bei Jamsessions üblich. Ich habe gemerkt, dass es auch schwierig sein kann, je nachdem, welche Instrumente beteiligt sind. Darum überdenke ich die Auswahl der Instrumentalisten. Für das Endprodukt, für das Publikum.