Mittwoch, 23. Juli 2014
Freitag, 18. Juli 2014
Sommerloch
| Simuliertes Schwarzes Loch, Quelle: wikimedia.org |
Es ist schon länger her, dass ich etwas veröffentlicht habe. Und das liegt nicht unbedingt daran, dass ich soeviel zu tun hätte. Im Gegenteil: Es ist irgendwie Sommerloch. EIgentlich nicht wirklich, aber es fühlt sich so an. Ein paar Schüler sind im Urlaub. Ok. Hear and Now macht Pause. Ich gebe keine Workshops. Das einzige, was läuft, ist die wöchentliche Mittwochshow mit Paternoster. Und dennoch entspanne ich mich nicht wirklich in dieser Zeit, in der ich genauso auch Urlaub machen könnte. Das liegt am traditionellen Sommerfinanzloch und irgendwie auch daran, dass ich mehr Zeit zum Nachdenken habe. Ich frage mich, ob es Sinn macht, soviel in Improworkshops zu investieren. Ob Hear and Now überhaupt Sinn macht, wenn der Aufwand nicht mit den Zuschauerzahlen in Einklang ist. Und vor allem: Ich habe zwar Zeit, um an meinen Kompositionen zu arbeiten, jedoch frage ich mich nun, ob es ein Album sein soll - also die Veröffentlichung von mehreren Titeln gleichzeitig - oder eben immer mal wieder ein Einzeltrack, der fertig geworden ist. Und da haben wir die Grundfrage: Wann ist etwas wirklich fertig? Frage ich drei Leute nach ihrer Meinung, was im Stück noch fehlt, bekomme ich drei Antworten, die alle unterschiedlich sind. Ist das Stück zu langweilig, zu lang, zu profan, zu unfertig. Was soll das überhaupt? Wozu das Stück? Diese Selbstzweifel plagen mich zusätzlich im Sommerloch, dabei ist es die schönste Zeit, die man in Berlin haben kann. Ich bin zu den Schlüssen gekommen, dass nie etwas wirklich fertig und perfekt ist. Dass ich meinen Output an Kompositionen erhöhen will. Dafür muss ich weniger zweifeln an den Ergebnissen, sondern einfach mehr Ergebnisse liefern. Auch wenn nicht jedes Stück die Welt verändert. Ich muss zu meinen künstlerischen Entscheidungen stehen, dass ein Stück nun mal ist, wie es ist. Andere machen es anders. Egal. Es muss mir ein Stück weit mehr egal werden. Und ich werde mehr Einzeltracks veröffentlichen. Es geht sowieso nicht mehr um Geld verdienen mit Kompositionen. Nicht mehr zu dieser Zeit. Ein Album werd ich dann aus vorhandenen Einzelstücken zusammen fassen, die in einem Zusammenhang stehen. Den sieht man eh oft erst hinterher. Dann eben noch zwei Bonustracks drauflegen, wie mein Freund und Produzent Frank Böster meint, und fertig ist die Albumlaube. Aber der Output sollte erhöht werden. Und ich werde mich nicht musikalisch festlegen auf eine Richtung, sondern alle Richtungen anbieten. Auch wenn da manchmal Unperfektes rauskommt. Aber was ist schon perfekt?!
Meine Tracks findet Ihr unter stephanziron.bandcamp.com
Labels:
Album,
Aufnahmen,
Komposition,
Krise,
Probleme,
Recording,
Sommer,
Sommerloch
Dienstag, 17. Juni 2014
Fußball live vertonen
Auf die meisten Kommentare beim Fußball kann man getrost verzichten. Wenn man überhaupt Fußball guckt. Ich mag Fußball. Daher auch die Idee am 19. Juni das Spiel Uruguay gegen England live zu vertonen. Sicher keine ganz neue Idee mehr, aber immerhin eine Herausforderung, die nach Improvisation schreit. Deshalb bin ich sehr gespannt auf den Auftritt. Auch wenn ein Fußballspiel taktisch geplant ist, wird im Grunde immer improvisiert. Man kann zwar trainieren, doch nicht vorher sehen, was passieren wird. Deshalb vertone ich das Spiel gemeinsam mit meinem Kollegen Max Geng am Schlagzeug. In den Bildern steckt sehr viel, was in unseren Konzerten eine Rolle spielt: Rhythmus, Emotion, Spannungsbögen und natürlich Bilder. Es wird zwar keine eigenen Videos geben, aber dafür steht das Bild als Impulsgeber im Mittelpunkt. Ich freue mich sehr auf den Abend, der mal wieder etwas völlig neues verspricht. Außerdem kann ich halt das Spiel gucken, was es auch ganz angenehm macht. Haben doch die meisten Bühnen Probleme, während einer WM überhaupt Publikum anzulocken. Ein Deutschland-Spiel hätte ich nicht gewählt, aber die Idee sollte umgesetzt werden. Dafür werden wir am Samstag, den 21. Juni zur Fête de la musique zeitgleich zum Spiel Deutschland gegen Ghana eine Jamsession nach unserem Auftritt spielen. Mal sehen, wieviel Publikum dort sein wird. Das wird dann aber keine musikalische Begleitung des Spiels. Wir sind gespannt auf das Kulturforum Hellersdorf und sein Publikum. Immerhin wurden wir um 19 Uhr zwischen zwei dort bekannten Acts platziert. Wir spielen nunmal keinen konventionellen Jazz.
19. Juni Hear and Now
Vertonung des Spiels Uruguay gegen England
Brotfabrik Berlin
Caligariplatz 1
13089 Berlin
Beginn 21 Uhr
Eintritt 9/6 Euro
brotfabrik-berlin.de
21. Juni Fête de la musique
Kulturforum Hellersdorf
Carola-Neher-Straße 1
12619 Berlin
Hear and Now Set ab 19 Uhr
ab 21 Uhr Jamsession mit allen Musikern des Tages
Eintritt frei
kulturring.org
Mittwoch, 4. Juni 2014
Impro und Inklusion in Pritzwalk
| Gruppentrommeln |
Vom 23. bis 25. Mai fand in Pritzwalk in der Prignitz ein kleines Improfestival statt. Nun ist man mittlerweile gewohnt, dass die Crumbs oder andere internationale Stars auftreten und sich die ganze Improszene bei den Shows die Klinke in die Hand gibt. Anders war es in der Prignitz. Hier wurde die Not zur Tugend gemacht. Pritzwalk ist vielen gar kein Begriff und wenn dann eher wegen der ausgestorbenen Innenstadt und der flachen, aber wunderschönen Gegend darum. Beim Improfeeling wurden drei leerstehende Läden genutzt, um sie mit Improvisation und Leben zu füllen. Gefördert wurde das Ganze von der Aktion Mensch. Es wurden Improtheater, Impromusik, Clownworkshops gegeben und Masken gebaut. Auch noch nicht so ungewöhnlich. Interessant war es für mich deshalb, dort als Teilnehmer hinzufahren, weil die Gruppe der Teilnehmer so gemischt war. Im Grunde war es ein Inklusionsprojekt, an dem Menschen mit und ohne Behinderung teilnahmen. Auch eine Wohngruppe des CJD nahm an den Workshops teil. Zwar kamen schon viele vor dem Festival mit Improvisation in Berührung, doch wurden noch nie gemeinsam Workshops gemacht.
| Maskenspiel mit Geräuschen |
Wir trafen uns zunächst auf dem Marktplatz und trommelten uns in unserer 45 Mann starken Gruppe ein. Am ersten Abend gab es viele Gruppenspiele und gemeinsame Circle Songs. Besonders spannend ein Stuhl-Wechsel-Spiel, in dem jemand aus der Mitte eine Frage stellt und diejenigen den Platz wechseln, auf die die Antwort zutrifft. Ein großer Spaß für alle.
Ich nahm am nächsten Tag an einem Impromusik und an einem Clownworkshop teil. Es fiel mir sehr leicht, nach dem ich nun schon seit über 5 Jahren regelmäßig selbst Workshops in der Prignitz gebe, mich auf den Spaß einzulassen. Im Musikworkshop experimentierten wir 12 Teilnehmer viel mit Rhythmus und Geräusch und verbanden es mit szenischem Spiel. Die Freude war allen sehr anzusehen, auch wenn die Aufmerksamkeitsspanne teilweise auseinander ging. Die Freude am Miteinander improvisieren stand im Vordergrund. Und wenn ich ehrlich bin: Alle Welt spricht mittlerweile von Inklusion, doch habe ich fast nie die Möglichkeit, sie auch zu leben. Das wollte ich unbedingt machen und wurde nicht enttäuscht.
| Clownspaare |
Die Unterstützung in der Gruppenimprovisation half beim Zusammenwachsen der Gruppe, so unterschiedlich die Menschen auch waren. Im Clownworkshop arbeiteten wir viel mit Partnern und pbten Vertrauen und Führung in den Kontrasten der Figuren. Auch hier war es eine lockere Stimmung mit viel Spaß und tollen Ergebnissen. Alle waren nach den dreistündigen Workshops zwar platt - ich auch - aber wir freuten uns auf die Werkschau am Samstag Abend. Hier führten wir unterschiedliche Dinge aus den Workshops auf. Meistens als große Gruppe, die auch das Publikum im alten leerstehenden Rossmann mit einbezogen. Und dabei war eines immer klar: Niemand lacht über die Behinderung eines Menschen, sondern über die Komik, die durch die Improvisation entsteht. Es war ein wohl wollendes Miteinander. Besonders beeindruckt haben mich die Masken, die die Teilnehmer gefertigt hatten. Hier wurden Geräuschimpro und non verbales Maskenspiel in der Aufführung kombiniert. Die Masken waren riesig und man hätte nicht geglaubt, dass sie in nur drei Stunden entstanden sind. Selbst der Bürgermeister hat sich nicht lumpen lassen und kam mit seiner Frau zur Aufführung. Nach fast 1,5 Stunden war es vorbei mit Improszenen, Clownspaaren, Trommeln und Singen.
| Selbst gemachte Masken |
Ein Improfestival für's Herz war das. Sah ich doch soviele glückliche Gesichter und Menschen, die, so unterschiedlich sie auch sind, viel Spaß miteinander hatten und dem Impuls des Au Ja's im Impro folgten. Behinderungen und Handicaps standen zu keiner Zeit im Mittelpunkt, genauso wie sich auch niemand in den Vordergrund spielte. Ich erlebte zwar kein professionelles Improtheaterspiel und international schon gar nicht, aber solch ein Ja sagen zum anderen war mir viel mehr wert. Leerstehenden Raum so zu nutzen ist einfach eine tolle Idee, die die Initiatoren rund um das Vogelfrei Theater dort hatten. Ich hoffe auf eine Fortführung und bin sicher das nächste Mal wieder dabei. Ob als Dozent oder Teilnehmer werden wir sehen. In jedem Fall ein großer Spaß die Unterschiedlichkeit zu leben und zu erleben.
Labels:
Clown,
Festival,
Gruppenimprovisation,
Improfeeling,
Improtheater,
Inklusion,
Masken,
Prignitz,
Pritzwalk,
Rhythmus
Donnerstag, 22. Mai 2014
Dieser Drang...
ständig etwas tun zu müssen. Nicht mal bei 30 Grad an den See fahren zu können mit einem Buch und ein paar Runden im Wasser zu drehen. Selbst bei strahlenstem Sonnenschein sitze ich zu Hause und bastle an einem Song. Mein Zimmer ist eher dunkel und kühl. Sicher auch nicht schlecht bei der Hitze. Aber Millionen von Angestellten schwitzen im Büro und würden gern einfach raus gehen. Ich könnte es und tue es nicht. Ich habe dafür nicht die Ruhe. Einmal mit einem Projekt angefangen, bin ich ungeduldig und will es eigentlich auch schnell beenden. Ist das der Preis der jahrelangen Improvisation? Etwas schnell zu schaffen und sofort wieder loszulassen? Ich merke, dass Komposition wirklich ein anderer kreativer Prozess ist, als zu improvisieren. Und weil ich so ungeduldig bin, hat es mich wohl auch zur Improvisation getrieben. Obwohl das, was ich komponiere im Grunde das Festhalten meiner Improvisation ist. Wie man so schön sagt: "Aller Anfang ist Improvisation". Stimmt ja auch. Ich denke manchmal, es liegt auch daran, dass man keine Hobbies mehr hat, wenn man seine Freizeitbeschäftigung zum Beruf gemacht hat. Aber das habe ich ja nicht gezielt und bewusst. Es ist eben eine Berufung. Und bei aller Freiheit schränkt es mich oft eher ein, weil ich dann hier am PC hänge und Musik mache, statt das Wetter zu nutzen und raus zu gehen. Vielleicht sollte ich es einfach akzeptieren, dass es mich dann eher zur Musik zieht. Ich arbeite seit Montag an einer Komposition, die schon lange auf der Festplatte liegt und beendet werden will. Es ist gut, etwas zu beenden. Aber die Ungedult macht mich auch wahnsinnig. Ich habe es im Kopf und mir geht die Umsetzung nicht schnell genug. Komposition heißt Gedult üben. Und irgendwann später dann los zu lassen. Aber dann muss ich auch richtig los lassen und nicht immer noch unzufrieden sein mit dem Ergebnis. Irgendwann muss ein Projekt abgeschlossen werden und einfach ein neues, anderes getan werden. John Lennon hat einmal gesagt: "Du schreibst 100 Songs und nur einer davon ist ein Hit". Dieser Druck - den ich mir selbst mache - macht es nicht einfacher. Muss es immer DIE Komposition sein. Kann es nicht einfach auch mal was nettes sein und gut? Mich regt das oft auf und ich muss nachsichtiger mit mir selbst sein. Es gibt den Drang kreativ zu sein, den Druck was Gutes zu machen, den Stress von mir selbst etwas zu beenden und die Ungedult, wann es endlich fertig ist. Obwohl es nie fertig ist. Manchmal schwer auszuhalten. Und doch liegt es oft daran, dass ich mir die Zeit und Ruhe für Komposition nicht nehme. Termine bringen mich im Prozess durcheinander. Ich denke schon 6 Stunden vorher an den Termin und bin gestresst im Komponieren. Ich versuche das mit Produktionswochen zu verbessern. Das gelingt mir teilweise. Immerhin ein Schritt. Am Ende frage ich mich dann noch "Passt das Stück in das Album rein, das es werden soll?" oder "Das ist doch ein ganz anderer Stil. Wo ist der rote Faden dann im Album?". Zusätzlicher Stress. Auch nicht nötig. Vor allem, weil man heute kaum noch ganze CDs verkauft, sondern eher einzelne Downloads. Das soll es ja auch werden. Das kann man dann bei bandcamp runterladen und das geben, was es einem wert ist. Ich versuche daran zu glauben, instinktiv das Richtige zu tun und lieber Musik zu machen, als in die 30 Grad da draußen zu gehen. Ich muss immer was tun. Manchmal nervt dieser Drang tierisch.
![]() |
| Foto: donflo.com |
Am Sonntag gibt's vielleicht weniger Druck. Da wird improvisiert mit Gitarrist Florian Machnow und Tänzerin Simona Theoharova als Gäste in der Brotfabrik.
Hear and Now Concert Improv
25. Mai 20 Uhr
9/6 Euro
in der Brotfabrik Berlin
Caligariplatz 1
13086 Berlin
hear-and-now.com
Donnerstag, 15. Mai 2014
Virtuosentum vs. Clownerie
Am 21. Juni spiele ich mit meinen Kollegen Hear and Now im Rahmen der Fête de la Musique im Kulturforum Berlin Hellersdorf. Klingt erst einmal nicht danach, als würde wir dort hin passen, aber da wir unbedingt mehr spielen wollten, habe ich mich sehr gefreut eine Zusage einer Location zu bekommen. Man muss sich als Act nämlich bewerben und die Bühnen suchen dann aus, wen sie auftreten lassen wollen. Alles natürlich unendgeltlich, wie üblich bei der Fête. Ich telefonierte mit einer netten Dame vom Kulturforum und wir sprachen darüber, was wir überhaupt machen. Das ist jedes Mal schwer zu sagen, da wir nicht wirklich das Label Jazz haben. Wir klingen oft nicht nach Jazz und manchmal sehr. Improvisation lässt sich eben schwer in die Schublade stecken. Gut, dass die Dame unsere Videos vorher gesehen hat. Sie meinte, wir würden gut ins Programm passen, wo andere Jazz und "leichte Klassik" (also Pop Klassik mit einfachen, bekannten Melodien, vermute ich mal. Klassik Radio lässt grüßen. Bloß keinen überfordern... ;)) spielen. Also werden wir gesandwicht von dort wohl schon bekannten Acts. Gute Sache und eigentlich auch egal, denn wir wollten einfach nur spielen. Unser Label heißt also nun Jazz, Experimentell, Improvisation. Passt ja auch. Bin gespannt, wer kommt. Die Jazzpolizei vermute ich. Also ältere, graue Herren, die guten Dixiland erwarten. Naja, den bekommen sie jedenfalls nicht.
| Musik-Clown Ungarische Briefmarke 1965 Quelle: wikimedia.org |
Mir ist nur aufgefallen, dass die Dame mich fragte, ob ich denn den anderen Musiker kenne. Immerhin ist er verwand (der Vater oder so) mit einem bekannten Dirigenten. "Aha", dachte ich. "Keine Ahnung", sagte ich. Ich schaute mir aber aus Neugier natürlich die Website an. Da fand ich also einen 18 jährigen Pianisten und Gitarristen. Der bezeichnet sich selbst als Ausnahmetalent. Presseartikel, die nur davon sprachen, wie schnell er spielen konnte, konnte ich dort finden. Und dass er seit dem 6. Lebensjahr Klavierunterricht hat. Aha. Mal wieder so ein Fall von "Beeindrucken durch scheinbare Sensationen". Über dieses "Ich habe schon mit 3 Monaten meine erste Beethoven Sonate auswendig gespielt" in Lebensläufen habe ich schon in meinem Podcast gesprochen. Was soll das? Glauben immer noch alle an den Mozart-Wunderkind-Mythos in jedem gott verdammten Musiker? Wem bringt das was? Es gibt genug Leute, die zwar gut spielen, vielleicht auch weil sie so früh angefangen haben, aber es gibt auch wenige, die wirklich gut Musik machen, trotzdem sie so früh angefangen haben. Könnt ihr mir folgen? Was sagt das aus? Erst einmal gar nichts. Dann der zweite Fakt, dass die Presse einen lobt, weil man so schnell spielen kann. Wer braucht das? Das ist beeindrucken von ahnungslosen Nicht-Musikern. Das ist Leistungssport auf der Bühne und hat nichts mit musikalischem Können zu tun. Das könnte sogar ein Esel, wenn er nicht so große Hufen hätte. Man muss nur lang genug üben. Am besten man fängt mit 6 Jahren an. Und wenn man dann groß genug ist, von seinen Ahnen auf eine Bühne geschliffen zu werden, kann man dann bewundert werden, wie ein Pudel in der Manege oder der stärkste Mann der Welt auf dem Jahrmarkt. Man kann vielleicht sogar der Presse keinen Vorwurf machen. Oft wissen sie einfach nicht, was sie über die Musik schreiben sollen, weil sie keine Fachpresse sind. Also beschränkt man sich auf das Offensichtliche, also die Effekte. Aber es ist das selbe, als würde man einem Fotografen sagen, dass er eine tolle Kamera hat. Nur wenn man dann selbst mit diesen Presseartikel wirbt und sich auch noch deswegen Ausnahmetalent nennt, finde ich das einfach misslungene Werbung für sich selbst. Natürlich muss man sich als Künstler irgendwie verkaufen, damit man auch voran kommt, aber braucht man dafür einen Formulierungen, die klingen, als würden sie die neue Mercedes S-Klasse bewerben? Warum nicht einfach die Musik für sich sprechen lassen? Das Problem daran ist: Man schürt Erwartungen. Und was passiert, wenn der arme Junge irgendwann dahinter kommt, dass es nicht darum geht, am schnellsten zu spielen, sondern den richtigen Ton zur richtigen Zeit? Dann wird sich wohl die Musikerverwandtschaft spöttisch abwenden und meinen, er hätte eine große Karriere vor sich gehabt. Hört endlich auf damit, ein Mozart-Wunderkind-Bild zu malen. Alle machen Musik, sogar mehr, als man glaubt. Und es gibt tausende, die besser spielen, nicht schneller, aber besser. Und um so mehr kommt es darauf an, man selbst zu sein und so zu spielen, wie man selbst es will. Wenn man spielt, um das Publikum zu beeindrucken mit spieltechnischen Effekten, sollte man im nächsten Zirkus die armen Tiere befreien und sich an deren Platz zur Verfügung stellen. Virtuos ist das eine, aber es kann schnell zur Clownerie verkommen.
Hear and Now
zur Fête de la Musique
am 21. Juni
19-20 Uhr
Eintritt frei
ab 21 Uhr Jamsession mit allen Musikern des Tages
Labels:
Auftritt,
Berlin,
Fête de la Musique,
Hear and Now,
Jazz,
Klavier,
Kulturforum Hellersdorf,
Künstler,
Musiker,
Piano,
Virtuosen
Montag, 5. Mai 2014
10 Punkte, wie man Szenen im Improtheater musikalisch gestalten kann
![]() |
| Improtheater Paternoster 10 Jahre in der Kulturbrauerei Berlin vom 7. bis 9. Mai |
- Die Musik beginnt und ist auch Inspiration für die Spieler
- Eine Figur bekommt bestimmtes Instrument, Harmonien, Melodie, Rhythmus
- Die Musik bedient das Oberthema der Geschichte, nicht der einzelnen Szene
- Die Spieler spielen gegen die Stimmung der Musik
- Nur ein Spieler spielt mit der Musik, der andere "ignoriert" sie
- Die Musik sucht die Lücken im Dialog
- Die Szene wird nur mit Rhythmusinstrumenten musikalisch gestaltet
- Die Szene beginnt mit einer Songbegleitung oder einem Song
- Musik nur zu Beginn und dem Ende hin
- Ein Song mit Textzeile passend zur Aussage wird drüber gespielt.
Mehr dazu auch in meinem Podcast zu improvisierter Musik und Musik im Improtheater unter www.impro-musik.de
Labels:
Begleitung,
Improsongs,
Improtheater,
Liste,
Suspense,
Szenenanfänge,
Szenenmusik
Samstag, 26. April 2014
Produktionsmittel
Klingt ein wenig nach Marx, gemeint sind aber Hard- und Software, mit denen ich Musik produziere. Die Frage kam in den Kommentaren zu meinem Blogpost "Zimmer dir 'nen Soundtrack - Filmmusik für Dummies". Also hier eine kleine Auflistung ohne Anspruch auf Vollständigkeit:
Hardware
ComputerPC Windows 7 Professional 64-bit
Intel Core i3 3,1 GHz
20 GB RAM
Audiointerface
Tascam US-144 MKII
Mikrofone
Rode NT2A
Rode M3
Kopfhörer
Beyerdynamic DT 770-Pro
Keyboard/Piano
Roland GW-8
Yamaha P120
Sampler
Roland SP 404
Software
DAW
Cubase Artist 7
zusätzliche Plug Ins
FabFilter Pro-Q, Blockfish, Floorfish, Spitfish, EpicVerb, Son of a pitch
VST
Plattform Native Instruments Kontakt 5 Full VersionInstrumente
Native Instruments: Abbey Road 70's Drummer, Studio Drummer, Abbey Road Modern Drummer, Kontakt Factory Library, New York Concert Grand, Session Strings Pro, Retro Machines MK2
Sonicouture: Abstrakt, Brush Kit, Balinese Gamelan Library, Bowed Gamelan, Music Box, Geosonics, Glisten, Toy Piano, Xtended Piano, Tape Choir,
CineSamples: CineOrchestra, CineStrings, Drums of War 2
Cinematic Instruments: Experimental Box, Fabrique, Gecko
Soundiron: Voice of Rapture - The Soprano
Donnerstag, 24. April 2014
Gleiche Story, immer anders
In seinem Buch "Save the cat" schreibt Blake Snyder darüber, was ein Drehbuch bzw. eine gute Geschichte braucht. Im Bereich Storytelling schon einer der Bestseller und im Improtheater genauso nützlich, wenn es um die Heldenreise geht. Dennoch ist das Buch für mich sehr amerikanisch geschrieben. Die Witze in der Sprache sind nicht immer hilfreich beim Verstehen, wenn man das Buch für eine Analyse und zum Arbeiten nutzen will. Auch die Überschrift ist schon ordentlich fett: "The last book on screen writing, that you'll ever need". So weit würde ich nicht gehen, aber es sind viele hilfreiche Analysen enthalten. Hier eine kleine Übersicht (in freier eigener Übersetzung) für Stereotype Geschichten mit Filmbeispielen. Eine Zusammenfassung der einzelnen Stereotypen folgt oder könnt Ihr live in meinem Workshop "Helden wie wir - Storytelling" am 12. & 13. Mai in Lüchow/Wendland ausprobieren.
10 Stereotype von Filmen mit
Beispielen
Monster im Haus – Der weiße
Hai, Tremors – Im Land der Raketenwürmer, Alien, Der Exorzist,
Eine verhängnisvolle Affäre und Panic Room
Der goldene Flausch – Star
Wars, Der Zauberer von Oz, Ein Ticket für zwei, Zurück in die
Zukunft und die meisten "Raubüberfall-Filme"
Aus der Flasche - Der
Dummschwätzer, Bruce Almächtig, Der Duft der Liebe, Ein voll
verrückter Freitag, Flubber, Zu clever für 'nen Blankocheck
Typ mit einem Problem – hier
vor allem Stil, Ton und emotionale Substanz – Breakdown, Stirb
langsam, Titanis, Schindlers Liste
Bräuche des Übergangs – alle
"Veränderung des Lebens"-Stories – 10 – von Die
Traumfrau, Eine ganz normale Familie bis Die Tage des Weines und der
Rosen
Kumpel Liebe – Dieses Genre
ist mehr als die Dynamik in Kumpel Filmen, wie man sie aus Polizisten
Kumpel Streifen kennt. - Dumm & Dümmer, Rain Man –
aber auch
jede Liebesgeschichte, die je geschrieben wurde.
Warum getan (Whydunit) – Was
kümmert uns das Wer, das Wieso ist entscheidend. Beinhaltet
Chinatown, Das China Syndrom, JFK und Insider
Der dümmliche Gewinner – Eine
der ältesten Geschichtsarten – Willkommen, Mr. Chance, Forrest
Gump, Dave, Reichtum ist keine Schande, Amadeus und die Werke der
Pantomimen/stillen Clowns, wie Chaplin, Keaton und Lloyd.
Institutionalisiert – wie es
klingt, geht es um Gruppen: Ich glaub' mich tritt ein Pferd, M*A*S*H,
Einer flog über's Kuckucksnest, und "Familien"Sagas, wie
American Beauty und Der Pate.
Superhero – Nicht nur Superman
und Batman, sondern auch Dracula, Frankenstein und sogar Gladiator
und A Beautiful Mind.
Quelle: "Blake Snyder. Save thecat. 2005, S. 25f."
Labels:
Beispiele,
Blake Snyder,
Filme,
Heldenreise,
Improtheater,
Liste,
Save the cat,
Storytelling,
Workshop
Montag, 21. April 2014
Podcast zu Improvisierter Musik
Ich mache mit meinen Kollegen von frequenz9 ja schon eine Weile Podcasts zu Improtheater, Kunst & Kultur. Doch wie es so ist mit den lieben Kollegen, alle haben immer wahnsinnig viel um die Ohren und die Regelmäßigkeit bleibt auf der Strecke. So ja auch bei frequenz9, wo seit Wochen mal wieder Stillstand herrscht. Das finde ich sehr schade und oft liegt es aber einfach auch an den vollen Terminkalendern von drei Personen, die beteiligt sind. Einer allein schafft es sicher eher mal etwas aufzunehmen und zu veröffentlichen. Man hat dann zwar keine Diskussion, aber regelmäßigen Content. Daher habe ich mich entschlossen, hier meinen eigenen kleinen Podcast zum Thema "Impromusik, Musik im Improtheater und alles weitere zur Improvisation" zu veröffentlichen. Sicher werden die Folgen auch auf frequenz9 erscheinen, aber doch werden sie hauptsächlich an meinen Blog hier angebunden sein.
Welches Konzept soll hinter dem Podcast stehen?
Ich werde über meine Erfahrungen als Musiker beim Improtheater sprechen. Auch Anleitungen für Improspieler und Musiker sollen aufgenommen werden. Wie mit Musik in Szenen umgehen und was kann ich als Musiker tun? Tipps und Tricks zum Improsingen wird es auch geben. Dabei werde ich auch Musik mit einbinden und nicht nur drüber reden. Es wäre ja schade, nur Kochbücher zu lesen und niemals etwas zu essen. Ich hatte erst überlegt einen Videocast zu machen, mich dann aber gefragt, wozu? Es geht ja um das Hören bei der Musik. Und zu zeigen gibt es im Grunde ja nicht viel. Wer mein Gesicht live sehen will, kann ja zu meinen Auftritten kommen :D Geplant ist auch mit Gästen zu diskutieren oder Interviews zu machen. Vor allem mit Kollegen, die auch Impromusiker oder Improspieler sind. Die Improvisation im Allgemeinen soll auch nicht zu kurz kommen. Immerhin mache ich bei meinen Hear and Now Konzerten ja kein Improtheater. Noch einmal ein anderer Blickwinkel im Podcast. Doch bevor der erste veröffentlich wird, werde ich ein paar Folgen vorproduzieren, um nicht gleich in Contentstress zu verfallen. So will ich eine regelmäßige Veröffentlichung garantieren. Mal sehen ob's klappt und ob überhaupt jemand zuhört. So genau weiß man das ja leider nie, wenn niemand kommentiert. Nicht wahr? ;) Der Podcast wird dann über meinen Hear and Now Soundcloud Account veröffentlicht. Wohl technisch das einfachste hier. Zusätzlich gibt's die Möglichkeit über iTunes und RSS zu abonnieren.
Einen kleinen Vorgeschmack gibt es schon mal. Den Jingle für meinen Podcast könnt Ihr hier hören:
Labels:
Impromusik,
Improvisation,
Neu,
Neuigkeiten,
News,
Podcast
Abonnieren
Posts (Atom)





