Dienstag, 7. Mai 2013

Urban Sound - Hear and Now am 17. Mai

Simona Theoharova
Foto: donflo.com
Am 17. Mai gibt es ein neues Hear and Now in der Brotfabrik. Mit dabei sind dieses Mal Max Geng am Schlagzeug und die Tänzerin Simona Theoharova. Simona wird zur improvisierten Musik Impro-Tanz performen. Eine spannende Kombination, die wir noch nie gewagt haben. Außerdem steht das Impro Konzert unter dem Motto "Urban Sound". Alles, was der urbane Raum an Klang zu bieten hat, wird mich inspirieren und im Sampling eine Rolle spielen. Auf Facebook habe ich daher gefragt, was Eure Assoziationen dazu sind.



Hear and Now
concert improv

Stephan Ziron
piano, keyboards, sampler, ipad

Max Geng
drums & percussion

Simona Theoharova
improv dance

Sé Strobach
licht & ton

Beginn 20 Uhr
Eintritt 10/7 Euro

Karten unter karten@brotfabrik-berlin.de oder an der Abendkasse.



Brotfabrik Berlin
Caligariplatz 1
13086 Berlin



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hear-and-now.com | brotfabrik-berlin.de

Mittwoch, 1. Mai 2013

Blogparade - Are we all Storytellers?

reichweite-beratung.de
Caroline Kliemt rief zur Blogparade auf. Es geht um Storytelling. Die Frage: "Are we all Storytellers?" Man könnte kurz und bündig antworten "Life is Storytelling", denn wir erzählen jeden Tag Geschichten. Jeder hat mal was erlebt oder kennt einen, der einen kennt, der mal was erlebt hat, eine Geschichte, eine kurze Episode, eine Story. Ich möchte aus meinem Blickwinkel als Musiker und Improtheater-Mensch etwas über Storytelling schreiben.

Storytelling und Musik im Improvisationstheater


Griechisches Theater, Quelle: wikimedia.org
Beim Theaterspiel geht es um das Geschichten Erzählen par excellence. Was die Menschen zu den Bühnen treibt, sind Geschichten und Charaktere. Sie möchten mit dem Helden leiden und triumphieren, ein Drama und ein Happy End sehen. Das versuchen wir auch im Improvisationstheater. Gerade in längeren Geschichten, den Langformen, geht es um Geschichten. Ich als Musiker erzähle diese Geschichte mit meinen Mitteln. Unterstütze Charaktere und greife vorweg. Vergleichbar ist das auch mit Filmmusik. Es funktioniert im Grunde genauso. Deshalb sehe ich mich besonders in Langformen als "Film"-Musiker bzw. Geschichten-Musiker. Wie stelle ich das an? Charaktere werden oft von mir mit einem musikalischen Thema, Akkordverbindung, einer Klangfarbe oder einem Instrument ausgestattet. Dies taucht immer dann wieder auf, wenn die Figur besonders im Fokus steht. Gegenspieler erhalten einen Kontrast zum Helden, manchmal mit einer dunklen Klangfarbe, einem entgegen gesetzten Instrument. Hat der Held eine leichte Gitarrenmelodie, bekommt der Antagonist tiefe Streicher. Dies ist natürlich von Impro zu Impro anders, sonst wäre es nicht mehr improvisiert. Aber die Technik bleibt oft die selbe. Neben dem Anheften an Figuren setze ich auch oft Musik mit dem Thema der Geschichte in Verbindung. Ist es beispielsweise Feuer, werden Elemente, die darauf hindeuten in den Szenen mit einem Leitmotiv oder eben den anderen Mitteln unterstützt. Melodien können in Tonarten und Tongeschlechtern, also Dur und Moll, kontrastiert werden. Das entspricht in etwa dem Haupt- und Gegenthema-Ansatz, wie er im Sonatenhauptsatz zu finden ist. In diesem werden zwei Themen gegenüber gestellt. Im Laufe der Szenen gibt es die Einleitung (Ouvertüre), Durchführung, in der das Thema abgewandelt und verarbeitet wird, Reprisen (Wiederholungen) und schließlich die Coda (Schluss). Ganz so starr, wie in der Sonatenform ist es im Theater zwar nicht, aber die Prinzipien sind ähnlich.Die Wiederholung von Themen ist im Schauspielkontext wichtig. Der Zuschauer erlebt etwas bereits Bekanntes immer als befriedigend und sicheres. Das Gehirn reagiert positiv darauf, wenn es etwas wiedererkennt. Etwa so, wie bei einem guten Bekannten, dem man auf der Straße begegnet. Nicht umsonst ist die Leitmotiv-Technik im Film so erfolgreich. Ich habe dazu einen längeren Blogeintrag mit Hör-Beispielen geschrieben. Da es in der Musik um Emotionen geht und wir alle gewisse Klischees gelernt haben, spiele ich damit auch in der Szenenmusik. Die Musik spiegelt Emotionen der Akteure wieder und unterstützt die Empathie beim Zuschauer. Das hilft letztlich auch dem Schauspieler in seiner Darstellung. Außerdem ist es möglich der ganzen Szene einen Kontrast, sozusagen eine Meta-Ebene, zu geben. Legt man unter eine vermeidlich fröhlichen Szene eine dramtische oder traurige Musik, erzeugt man sofort Misstrauen beim Zuschauer. Die Musik verrät ein Geheimnis, die Fallhöhe der Szene wächst automatisch. Auch in Krimis schön zu sehen und zu hören. Wenn jemand bei etwas erwischt wird und er es vertuscht. Sein Gegenüber ist arglos und die Musik unterstützt die heimtückischen Gedanken des Täters. Das erzeugt Spannung und erzählt die Geschichte. Selbst der nichtigste verbale Dialog bekommt somit seine Bedeutung und die Geschichte schreitet in den Köpfen voran. Es geht um Kontraste und Fortspinnen der Geschichte mit musikalischen Mitteln. Das ist Storytelling im Film und auf der Bühne.

Bilder im Kopf


Gehirn nach Meyers 1932, Quelle: wikimedia.org
Musik erzeugt Bilder im Kopf und manchmal ganze Geschichten. Praktisch habe ich das erlebt, als ich das Theaterprojekt "Hear and Now Dimensions" aufgeführt habe. Es war ein Abend voller Improvisation. Musik, Schauspiel und Licht agierten spontan miteinander. Die Einleitung des Abends habe ich am Klavier übernommen. Ich habe ein ca. 15 minütiges Intro gespielt. Danach fragte ich das Publikum, was es dabei gesehen hat, welche Bilder vor dem inneren Augen gezeichnet wurden. Erstaunlich war, dass alle, die sich trauten, ihre Bilder preiszugeben, eine nahezu ganze Geschichte erlebten. Die waren ganz unterschiedlich. Vom dunklen Wald bis zum Meer wurden Landschaften gemalt und etwas durchlebte eine Veränderung - ein wesentlicher Teil von Geschichten. Ein Thema wird verändert im Laufe der Zeit und endet beim Happy End oder stirbt. Völlig non-verbal hat dies funktioniert. Die Musik erzählte eine Geschichte, ohne dass ein Wort gesprochen werden musste. Und das schöne daran: Jeder Zuhörer hat seine Geschichte selbst im Kopf erlebt, hat sich im Grunde selbst die Geschichte erzählt mit seinen Assoziationen. Nun muss ich aber zugeben, dass der Hirnforscher unter uns jetzt den Zeigefinger heben würde. Natürlich gibt es musikalische Zusammenhänge, die Klischees in unseren Köpfen aufblitzen lassen. Tiefe Töne erzeugen Spannung, Dramatik oder Trauer, Dur wird oft heiter und hell empfunden, schnelle Passagen sind hektisch, etc. Davon sind wir nicht frei und ich auch nicht. Die Kunst besteht für mich darin, die Klischees nicht zu überdehnen und sie im Sinne des Storytellings zu nutzen. Manchmal bewusst, manchmal unbewusst.

Storytelling im Workshop


Singende Schulkinder aus Pie Town, New Mexico,
Quelle: wikimedia.org
Ich werde oft gefragt, wie ich es in meinen Workshops schaffe, die Leute zum Singen zu bringen. Ich gebe Workshops in den unterschiedlichsten Kontexten, aber die Botschaft bleibt die selbe: Wir werden gemeinsam improvisieren und das mit unserer Stimme. Das Storytelling ist dabei sehr wichtig. Wie sonst könnte man Teilnehmer dazu bewegen, überhaupt einen Ton zu singen? Ich erzähle, wie ich in der Grundschule regelmäßig mit hoch rotem Kopf vor der gesamten Klasse "Das Wandern ist des Müllers Lust" zum Besten geben musste, meine Mitschüler sich das Lachen verkniffen, ich den Text vergaß und am Ende gerade so eine 4 bekam. Vor Scham wäre ich am liebsten jedes Mal im Boden versunken. Das ging mir überigens am Reck im Sportunterricht genauso. Nur, dass ich da dann eine 6 bekam. Aber das Thema Sport gehört hier nicht her. :D Dieses Gefühl, dieser Zustand, diese Figur, die Bühne und die Akteure kennte fast jeder, dem ich diese Geschichte erzähle. Sofort nicken Teilnehmer und stimmen mir fast mitleidig zu. "Ich wollte nie wieder singen!", sage ich dann. Und das stimmte auch. Ich kann das ehrlich und authentisch sagen. Die Wahrheit. Dann sage ich "Warum sollte ich eigentlich nie wieder singen dürfen? Ertappen wir uns nicht bei unseren Lieblingsliedern, im Auto oder unter der Dusche, wie wir voller Inbrunst mitsingen?". Ja, machen wir, weil Singen eine völlig menschliche Ausdrucksform ist. Weil Singen Spaß macht. Man muss nur einem an einem Samstag Nachmittag in ein x-beliebiges Fußballstadion gehen und lauschen. Da sind tausende von Menschen, die aus voller Kehle singen. Teilweise komplexe Melodien und Rhythmen. Da schämt sich nur der, der die Vereinshymne nicht mitsingt. Gemeinschaft schafft es diese Hemmung abzubauen. Denn es tut keinem weh, vor allem nicht mir selbst. Singen macht also zusammen Spaß. Das heißt aber noch nicht, dass es sich gut anhört. Aber das steht auf einem ganz anderen Blatt. "Schön Singen" ist bereits eine subjektive Bewertung. Und diese wollen wir, wo wir doch so gebranntmarkt sind durch die Grundschule, nicht wieder so schnell. Ein Workshop ist ein geschützter Raum, in dem wir gemeinsam das wieder finden, was wir verloren haben: Die Freude am Singen. Wir drehen den Spieß einfach um und behaupten, dass "schräg" singen genau das ist, was wir wollen. Wir wollen nicht "schön" singen, sondern wir wollen SINGEN! Mit der Aufgabe noch schiefer, als der Nachbar zu singen, schaffe ich es, dass noch die traumatisiertesten unter den Teilnehmern ihre Stimme benutzen und mit Spaß und Freude Gefallen daran finden, einfach mal die Vokale lang zu ziehen. Und schon singen wir im Chor. Und schon trauen sich einzelne sogar ein Solo zu singen. Nicht vor der Gruppe, sondern mit ihr. Ohne roten Kopf und ohne schlechter Note am Ende des Workshops. Aber vielleicht mit dem kleinen Fünkchen Willen, doch mal beim Chor vorbeizuschauen oder nicht nur die Titel auszusuchen in der Karaokebar, sondern nächstes Mal selbst sein Lieblingslied zu singen. Weil es Spaß macht und weil wir fast alle einmal traumatisiert aus dem Musikunterricht gegangen sind. Dieses Spiegeln der Emotionen und die erzeugte Empathie ist es, das aus sprechenden Menschen, singende Menschen macht. Mit meiner eigenen Geschichte. Und ich bin auch kein Meistersinger, aber vielleicht ein guter Storyteller.

Dienstag, 30. April 2013

Radiobeitrag "Zwölf Stunden Klavier-Marathon"

Zunächst: Ich habe alles gut überstanden. 12 Stunden Klavier spielen sind zwar antrengend, bringen mich aber nicht um. Bevor ich aber in den kommenden Tagen eine ausführliche Auswertung des Impro Marathons mache, hier schon einmal der Radiobetrag von Friedemann Brenneis für Deutschlandfunk. Der Beitrag lief am Montag, den 29.04. in der Sendung Corso ab 15 Uhr. Hier geht's zum Skript.

Dies ist der Audio-Beitrag:

Samstag, 27. April 2013

Das Experiment beginnt

Quelle: tumblr.com
In ca. zwei Stunden geht es los das Experiment 12 Stunden improvisieren. Begleitet werde ich dabei von Friedemann Brenneis, der einen Beitrag für den Deutschlandfunk darüber machen wird. Wie geht's mir jetzt? Ich habe alles gepackt, sogar Schmerztabletten und Energydrinks eingepackt und bin etwas nervös. Die Nervösität schiebe ich darauf, dass ich endlich los legen will. Ich bin gespannt, ob Publikum kommt und wie ich damit umgehen kann, dass es immer raus und rein kommt in die Galerie. Ich werde auch deswegen mit dem Rücken zum Publikum spielen. Erstens ist das entspannter wegen des Rein und Raus' und zweitens komme ich mir dann nicht vor wie "Der stärkste Mann der Welt wird Ihnen auf diesem Jahrmarkt präsentiert". Ich werde auf zwei Bilder vor mir gucken. Oder viel wahrscheinlicher: Ich habe die Augen meist geschlossen, so wie fast immer beim Improvisieren. Mein Rücken meldet sich jetzt schon. Daher die weichere Klavierbank eingepackt und die Tabletten. Man weiß ja nie. Und abbrechen möchte ich auf keinen Fall. Was habe ich mir vorgenommen? Nicht abzubrechen oder gar nicht zu spielen, wenn gerade keiner im Raum ist. Als Kontrolle und etwas Druck dient das Aufnahmegerät, das alles mitschneidet und der Herr vom Deutschlandfunk. Es könnte sonst vielleicht doch passieren, dass man länger nicht spielt. Pausen werden sich sowieso nicht vermeiden lassen auf Grund menschlicher Bedürfnisse. Und es soll ja auch kein Weltrekordversuch werden, sondern ein persönliches Experiment. Also: Wie wird sich die Musik über 12 Stunden verändern? Meine Prognose: Die Klangereignisse werden abnehmen. Ein anderes Zeitgefühl stellt sich ein. Die körperliche Belastung wird einen Einfluss haben. Es wird Phasen geben, die man unterscheiden kann. Und das sind nicht nur Anfang und Ende. Auf und ab wird es gehen. Los geht's!

Ich werde live vom Marathon aus twittern unter twitter.com/pianistberlin

Mittwoch, 17. April 2013

12 Stunden am Stück - 1. Berliner Impro-Marathon

Am 27. April findet der 1. Berliner Impro-Marathon in der Brotfabrik statt. Und es wird ein echter Marathon. Er beginnt um 15 Uhr und endet am 28. April morgens um 3 Uhr. Und es wäre nur ein Staffellauf, wenn nicht wirklich 12 Stunden am Stück improvisiert würde. Das ganze Haus wird in diesen Stunden bespielt mit spontaner Kunst. Im Kino laufen improvisierte Filme, es wird eine Speakers Corner geben, 11 Improtheatergruppen (darunter auch das Improtheater Paternoster) spielen non-stop auf der Haupt- und Studiobühne, Zeichner werden das Ganze festhalten und ihre Werke werden innerhalb der Zeit einen White Cube füllen. Was habe ich damit zu tun? Ich wage das Experiment solo die ganzen 12 Stunden am Stück in der Galerie am Klavier zu improvisieren. Es wird ein Versuch und eine Beobachtung meiner selbst, wie sich die Musik über die Stunden verändert. So lange am Stück habe ich noch nie Klavier gespielt und improvisiert. Werde ich mich irgendwann im Kreis drehen? Muss ich aufgeben, weil mein Rücken nicht mehr mitmacht? Langweile ich mich irgendwann? Damit ich nicht schummeln kann, werde ich den kompletten Marathon mitschneiden. Anschließend werde ich die Aufnahmen im Internet veröffentlichen nach Stunden geordnet, sodass man im Nachhinein an verschiedenen Stellen vergleichen kann. Wird es einen Unterschied zwischen 16 Uhr und nachts um 1 Uhr geben? Ich bin sehr gespannt. Für mich ist es bisher das künstlerisch spannenste Projekt, dass ich in 2013 machen werde! Ob ich es überlebe, könnt ihr live miterleben.

1. Berliner Impro Marathon

12 Stunden non-stop Improvisation
12 Stunden Hear and Now in der Galerie


Brotfabrik Berlin
Caligariplatz 1
13086 Berlin

27. April 15 Uhr bis 28. April 3 Uhr
Eintritt 15/10 € mit möglichen Ein- und Ausgang über den gesamten Zeitraum

Kartenkasse (ab 18 Uhr): 030. 4714001 oder per E-Mail an karten@brotfabrik-berlin.de

berliner-impro-marathon.de
brotfabrik-berlin.de
hear-and-now.com



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Mit dem ÖPNV zum Marathon:

VBB fahrinfo
Caligariplatz (Berlin)
am
um
ab
an


Sonntag, 14. April 2013

Hear and Now - So war's in der "Black Hole"

Die Inspiration für die letzte Hear and Now Concert Improv kam über unsere Facebook-Seite und lautete "Black Hole". Eigentlich "Schwarzes Loch" habe ich es etwas freier übersetzt in eher eine "dunkle Höhle" genommen. Davor hatten wir "Ethnic Space" und das war mir dann zu ähnlich hinsichtlich dem Weltraumbezug.

Max Geng, Phil Ziegler, Stephan Ziron (v.l.)
Foto: Sé Strobach
Eine schwarze Höhle hatte für mich vor allem Wasser. Tropfen, Strömpfe, reflektierendes und dumpfes Rauschen. Entsprechend habe ich den Sampler beladen. Das iPad diente dieses Mal eher den Effekten (mit der App Live DJ Effects) und wurde sparsamer eingesetzt. Ich empfand es diesmal weniger als Überforderung oder Nötigung unbediengt viel damit zu machen. Im Grunde geht es bei allen technischen Geräten, die in der Improvsation zum Einsatz kommen nicht darum, sie unbedingt benutzen zu müssen. Es muss sich aus der Impro heraus ergeben. sonst wäre es nur Effekthascherei. Das will ich vermeiden. Ich habe dieses Mal gleich mein E-Piano genutzt, was den Soundcheck erleichterte. Das akustische Klavier war noch nicht gestimmt. Außerdem nutzte ich meine Roland GW-8 Workstation als Synthesizer und weiteres Instrument. Das ging im Einklang mit dem Klavier erstaunlich gut, obwohl auch hier die Versuchung naheliegt, zuviel machen zu wollen, einfach weil es da ist. Ich empfand das Konzert als viel runder, durch das Bewusstsein, die vorhanden Dingen gezielt einzusetzen, wenn es sich ergibt. Auch, dass wir das zweite Mal in der gleichen Besetzung gespielt haben und vorher mehr Ruhe mit dem Soundcheck hatten, half, um in einen gemeinsamen Flow zu kommen.

Das Ergebnis könnt Ihr hier nachhören. Wir haben dieses Mal eine Pause gemacht. Die Teile sind getrennt von einander aufgenommen. Außerdem war dies ein guter Anlass einen Premium Unlimited Account bei soundcloud abzuschließen. Somit sind die Veröffentlichungen und das leichte Teilen der Aufnahmen in Zukunft gesichert, weil der Speicherplatz und die Zeit nicht begrenzt werden.





Montag, 8. April 2013

Ich-Du oder Ich-Es

"Ich liebe Dich" Geste
Quelle: wikimedia.org
Wenn es gut werden soll, sollte Liebe im Spiel sein. So könnte man es zusammen fassen. Denn unsere Beziehungen zu anderen Menschen könnte man in Ich-Du- und Ich-Es-Beziehungen einteilen. Eine Ich-Du-Beziehung bedeutet, dass ich mein Gegenüber als Mensch wahrnehme mit Empathie. Ich-Es-Beziehungen sind eher objektorientierte Verbindungen und die gibt es sogar unter Menschen. Behandle ich einen Menschen als Objekt, wird er sich unwohl fühlen. Anders herum, merken wir sehr schnell, wenn wir Mittel zum Zweck werden. Wenn wir ein Objekt werden, dass jemanden anderes nützt, derjenige aber nicht an unseren Gefühlen oder Empathie interessiert ist.

Basiert eine Verbindung auf der Bühne auf Empathie und einer Ich-Du-Beziehung, kann Großes entstehen. Man vertraut blind, weil man weiß, was der Partner machen, sagen, spielen, singen, .... will. Eine große Empathie ermöglicht einen gemeinsamen Weg, der sich gemeinsam anfühlt. Eine Ich-Es-Beziehung kann als Mittel zum Zweck zwar professionell eingegangen werden, aber glücklich wird man nicht durch die Beziehung an sich, sondern durch Ersatzbefriedigungen. Wenn sich Menschen auf der Bühne auf solche Beziehungen einlassen, muss es eine andere Motivation geben, als die Freude am gemeinsamen Tun. Eine Ich-Du-Beziehung wird umgangen und zur Es-Beziehungen, wenn es um den schnellen Lacher, den eigenen und nur den eigenen Applaus geht, die eigene Karriere, die eigene Gage, also egoistischen Zielen. Auch wenn in manchen Situationen eine Ich-Es-Beziehung schützen kann, ist es für Dinge, die ich leidenschaftlich auf der Bühne tue, ein Hindernis.

Fragen wir uns also, welche Beziehungen gehe ich auf der Bühne tatsächlich ein? Führe ich Ich-Du-Beziehungen oder Ich-Es-Beziehungen?




Mittwoch, 3. April 2013

Black Hole

In einer Woche ist es schon wieder soweit. Die Eindrücke der letzten Konzert Impro sind gerade erst verdaut, da steht schon die nächste an. Ich werde dieses Mal wieder mit Max Geng (Drums & Percussion) spielen und habe mich dazu entschlossen auch Phil Ziegler mit seinen Didgeridoos einzuladen. Ein Mal ist kein Mal. Unsere Inspiration für den Abend hatte ich auf Facebook und Twitter erfragt. Daher begeben wir uns also kommenden Mittwoch in die "Black Hole". Ich werde dazu Samples vorbereiten. Wie ich das iPad einsetzen werde, ist noch offen. Fest steht, ich verwende mein E-Piano als Basis und Hauptinstrument, nachdem uns der Soundcheck ja letztes Mal mit dem akustischen Piano halb wahnsinnig gemacht hatte und ich letztlich doch auf mein elektronisches Klavier zurück gegriffen hatte. Außerdem werde ich mein Keyboard mitbringen und schauen, was damit ergänzend möglich ist.

Hear and Now
concert improv

Stephan Ziron
piano, keyboards, sampler, ipad

Max Geng
drums & percussion

Phil Ziegler
didgeridoos

Sé Strobach
licht & ton

Beginn 20 Uhr
Eintritt 10/7 Euro

Karten unter karten@brotfabrik-berlin.de oder an der Abendkasse.



Brotfabrik Berlin
Caligariplatz 1
13086 Berlin



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hear-and-now.com | brotfabrik-berlin.de

Samstag, 30. März 2013

Zimmer dir 'nen Soundtrack - Filmmusik für Dummies

Seit Jahren ist ein Trend in Hollywood, vor allem bei epischen Filmen, wie Herr der Ringe, Batman, Gladiator, Fluch der Karibik, Inception oder Snow White and the Huntsman zu beobachten. Komponisten sind Hans Zimmer, James Horner, James Newton Howard und viele andere, die eines verbindet: Ihre Liebe zum großen Orchester und dem Leitmotiv. Jenes Stück Musik, dass uns den ganzen Film über begleitet. Mal dramatisch und groß, mal zart und im Hintergrund. Musiker, wie Richard Wagner oder Hector Berlioz sind schon vor einigen Jahrzehnten dafür bekannt gewesen, diese Technik in ihren Werken zu nutzen. Dabei ist es eigentlich ganz einfach: Man nehme eine kleine Melodie und lasse sie immer wieder auftauchen und eben "leiten". Wer kennt nicht die Melodie von "Herr der Ringe" oder "Starwars"? Diese Technik wird nach wie vor in Filmen genutzt. Und mehr noch: Das Motiv wird mit einem großen Orchester quasi aufgepumpt. Viele Streicher, Bläser kombiniert mit Schlagwerk und Chören sind in Mittelalter-Filmen, wie in Phantasy-Streifen zu hören. Ausschlaggebend für den Artikel ist dieses Video mit Hans Zimmer auf youtube. Er spricht darin über sein Verständnis von Harmonik. Seine Grundthese ist: Lass alles in der Schwebe, sei nicht eindeutig in den Akkorden und mache bewusst Fehler, die in der klassischen Harmonielehre verpönt sind. Am Ende des Artikels soll das durch das Austauschen von Akkorden verdeutlicht werden.


Ich möchte versuchen die Analyse so zu machen, dass man sie als Laie und als Musiker versteht. Das wird sicher ein paar Begriffsschwierigkeiten mit sich bringen. Letztlich kommt es aber darauf an, es zu hören.

Wie baut man sich seinen Soundtrack? -
Über Tonleitern und Akkorde

Ich habe für diesen Artikel mal einen kleinen drei Minuten Beispiel Track produziert und seziert. Damit könnt Ihr auch als Nichtmusiker versuchen nachzuvollziehen, was eigentlich passiert in solchen Filmscores. Man verzeihe mir, dass ich beim Mixing und Mastering nicht ganz so genau gearbeitet habe. Hier könnt Ihr euch den ganzen Track einmal in voller Länge anhören:



Hier ist auch ein Screenshot des Arrangements, wie ich es im Aufnahmeprogramm angelegt habe. Ohne Noten lesen zu können, kann man hieran gut sehen, wann was im Stück einsetzt und wann zusammen spielt. Das ist quasi die Partitur, der Fahrplan, den der Dirigent oder die Musiker sonst so vor sich haben.

Arrangement in Cubase
Tonleiter, Stufen, Melodie

Grundlegend ist in der Musik die Harmonielehre. Es würde zu weit führen hier eine umfassende Einführung zu geben. Die ist auch nicht nötig. Man muss nur verstehen, was eine Tonleiter und ein Akkord ist.

Eine Tonleiter besteht, wie eine Leiter auch, aus Einzeltönen - man könnte auch Sprossen oder Stufen sagen. Nach einem bestimmten Bauplan entstehen die Tonarten. Aus einer Tonleiter - z.B. C-Dur - ergeben sich die Töne
c d e f g a h c

Damit kann man Melodien bzw. können wir unser Leitmotiv basteln.

Ich habe für mein Beispiel die Tonart g-moll gewählt. Es gibt quasi zwei Motive bzw. Themen. Ich habe beide einmal mit Klavier gespielt und sie Thema 1 und 2 genannt, damit man es pur raushören kann.

Thema 1


Thema 2


Die Themen werden im kompletten Stück vom Chor und von Streichern gespielt. Sie spielen ein und die selbe Melodie.

Die Begleitung - Akkorde

Schichtet man mindestens drei Töne übereinander, erhält man einen Akkord bzw. Harmonie.  Die Tongeschlechter Dur und Moll entstehen aus den unterschiedlichen Abständen der Töne innerhalb eines Akkords. Im Volksmund sagt man Dur klinge eher fröhlich positiv und moll eher traurig und dunkel. Bleiben wir mal bei der Unterscheidung, auch wenn ich kein Freund davon bin. Durch die Schichtung von Tönen über den einzelnen Tönen der Tonleiter entstehen Akkorde, die verwandt miteinander sind und bestimmte Funktionen im Stück erfüllen. Nach den Regeln der Harmonielehre bastelt man dann eine Kombination von Akkorden zusammen und erhält somit die Grundlage für unser Leitmotiv. Hierzu kann man sich die Tonleiter nehmen und nach der sogenannten Stufentheorie Akkorde kombinieren.

Ich habe für mein Beispiel folgende Akkordverbindungen gewählt:

Thema 1 - Gm Bb Eb F | Gm Eb F F
Thema 2 - Cm Ab Eb G | Cm Ab Eb G/H D/A

Die Akkorde - Das Orchester

Bei meinen Aufnahmen habe ich unter anderem mit virtuellen Instrumenten von Cinesamples gearbeitet. Diese Firma hat sich auf Software-Instrumente für den Film- und Fernsehbereich spezialisiert. Die Orchesterklänge stammen vom CineOrchestra 2.0 Instrument. Die Streichermelodie sind die Session Strings Pro von Native Instruments, der Chor stammt aus der Library von Kontakt 5.

Das Instrument wurde in drei Sektionen eingeteilt. Das wird in diesem Demovideo erläutert. Akkorde sind komplett gesampelt, so das eine Taste schon bereits die fehlenden Töne mitklingen lässt und die Harmonien schon fertig sind. Man kann also noch mehr in Stufen denken.



Low Chords

Ich bin beginne mein Beispiel mit den Low Chords. Also tiefe, dunkle Akkorde. Man hört zunächst die Begleitung für Thema 1, dann für Thema 2.


Tiefe, lange Töne und Flächen erzeugen Spannung im Film. Oft ist es sogar nur ein sehr tiefer Ton, der liegen bleibt.

Diese Akkorde werden bis zum Ende immer wiederholt. Nur die Lautstärke (Dynamik) ändert sich. Es folgen auf den Low Chords die beiden Themen gesungen vom Chor und später unterstützt von den Streichern.

Tutti Chords

Um dem ganzen noch mehr Steigerung zu verleihen, kommen im Laufe des Stücks immer mehr Instrumente hinzu. So hört man ab 1:26 zusätzliche Streicher und Bläser in den Akkorden, die sogannten Tutti Chords (itl. "tutti" = alle). Das gesamte Orchester spielt also die Akkorde zusammen. Gemeinsam mit den Low Chords klingt die Steigerung also so:

Dadurch, dass nun auch höhere Lagen gespielt werden, klingt es insgesamt heller und lauter.

Tutti Octaves

Ab 1:55 min werden vom Orchester auch die Töne gedoppelt und in Oktaven gespielt, die schon grundlegend für die Low Chords und Tutti Chords sind. Damit wirkt das Ganze nun noch fetter, vor allem, weil das Blech nun sehr deutlich laut zu hören ist. Das sind vor allem Trompeten und Posaunen. Die Tutti Octaves klingen so:



Schlagwerk

Was noch fehlt zum perfekten Soundtrack ist das Schlagwerk Wer erinnert sich nicht an Trommelgewitter beim letzten Kriegsepos oder den Angriff der Römer auf eine Stadt? Cinesamples hat dafür eigens ein Instrument entwickelt namens Drums of War. Der Titel sagt eigentlich schon alles. Das Instrument ist eine Sammlung von verschiedenen Trommeln und Percussioninstrumenten. Sehr beliebt bei Filmmusikern sind die großen japanischen Taikotrommeln oder SubDrums. Beide habe ich verwendet im Beispiel. Die Sub Drum beginnt mit einem tiefen Basston. Die Taikos sind die lauter werdenden Trommelwirbel, die mit einem Beckenschlag beendet werden.




Nur immer das selbe oder doch was anderes?

Hans Zimmer spricht in dem anfangs erwähnten Video davon, den Sound möglichst nicht eindeutig zu machen und lange in der Schwebe zu lassen. Auch die Wahl eines der Theorie nach falschen Akkords in einer Folge, ist mittlerweile typisch Hollywood. Die Low Chords tauchen in Filmen oft immer wieder leise im Hintergrund von Szenen auf. Aber nicht unbedingt die selben, wie im präsenten großen Leitmotiv. Oft sind sie leicht verändert. Das geschieht ganz einfach, indem der Akkord umgeschichtet wird. Ein Beispiel:

Der Ausgangsakkord (hier Gm)  ist aufgebaut aus

D
Bb
G

Man tauscht nun einfach die Töne und stellt sie um, erhält man folgende Möglichkeiten:

G  | Bb
D  | G
Bb  | D

Es ist zwar immer noch der Gm-Akkord, doch ist nun im Bass nicht der Grundton G, sondern das B. Man könnte ihn nun als Gm/B oder als Bb6 bezeichnen. Der Akkord klingt nun ein klein wenig anders, das Motiv passt aber immer noch darüber.

Ich habe ein Beispiel gemacht, in dem ich die oben bereits gehörten Low Chords alle durch solche Ersetzungen ausgetauscht habe. Es ist die selbe Folge und widerum doch nicht. Hört selbst:



Nun noch einmal mit den Themen darüber. Etwas andere Begleitung, funktioniert aber trotzdem.



Zum Vergleich nochmal die erste Version der Low Chords mit dem Thema darüber:


Man hört, dass kleine Veränderung erstmal neu wirken, aber dadurch, dass nur eine Kleinigkeit verändert wurde, schwebt der Klang. Er ist offen und anders und dennoch passt das Leitmotiv darüber und kann so immer wieder im Film auftauchen. Immer in etwas anderer Form, aber es wird sich einbrennen.

Fazit

Ich kann nicht behaupten, mich mit Hollywood-Musikern vergleichen zu können, aber die Zutaten für einen Epos-Soundtrack sind denkbar einfach. Im Grunde geht es um den fetten Orchesterklang mit viel Blech und viel Fundament. Dazu epische Chöre, die das ganze so sakral werden lassen. Je nach Genre kommen noch regionale Instrumente dazu, wie Dudelsack oder Flöten. Der Chor kann auch durch einen sehr hohen klaren Sopran einer Sängerin oder durch die tiefen Kirchenchöre ersetzt werden. Eine Orgel könnte eine Rolle spielen. Es geht um den Teppich und um ein Leitmotiv. Wie einfach das sein kann, hab ich versucht zu zeigen. Letztlich wäre das aber nicht möglich gewesen, ohne die virtuellen Instrumente, die quasi all diese Theorie schon beinhalten und in Software herunter gebrochen haben. Allein die Aufteilung der Tastatur innerhalb des Software Instruments sagt schon alles über die Machart dieser Art von Filmmusik. Ich möchte aber betonen, dass ich für diesen Artikel nicht von den genannten Firmen gekauft wurde. Ich möchte Euch nur zeigen, womit ich arbeite. Das frage ich mich bei vielen Stücke selbst oft. Daher sollte es nur ein Hinweis sein.

Wenn Ihr Fragen habt, schreibt mir gern einen Kommentar. Ich habe im Artikel nicht alles im Detail oder verständlich für alle erklären können. Um so spannender kann eine Diskussion im Nachhinein sein. Ich freue mich auf Eure Gedanken dazu. Und wenn Ihr das nächste Mal einen Film schaut, hört doch mal, ob Ihr ein Leitmotiv erkennt. ;)

Und hier nochmal das Ausgangsstück, damit Ihr nicht hoch scrollen müsst...




Dienstag, 26. März 2013

Hear and Now Live Mitschnitte

Es ist vollbracht: Ein kleines Video vom Hear and Now Konzert vom 24.03. und eine Stunde Audio-Mitschnitt sind online! Ich habe mich doch dazu entschieden nur von einer Kamera das Bild- und Tonmaterial zu schneiden. Das mit drei Kameras war mir dann doch zu kompliziert. Cutter ist eben nicht umsonst ein eigener Beruf.

Einen ca. sechs minütigen Zusammenschnitt als Video gibt es hier zu sehen:


Einen etwa einstündigen Audiomitschnitt hört Ihr hier:



Das nächste Hear and Now gibt es am 10. April um 20 Uhr. Weitere Infos hier.